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Ökologische Qualität

Die Hauptkriteriengruppe Ökologische Qualität besteht aus 15 Kriterien. Diese Kriterien nehmen Bezug auf die Wirkungen auf die globale und lokale Umwelt und zeigen die Ressourceninanspruchnahme und das Abfallaufkommen eines Gebäudes auf. Jedes Kriterium beinhaltet definierte Ziele, klar vorgegebene Messmethoden und Nachweispflichten für die Dokumentation.

Kriterium 01 Treibhauspotenzial
(Global Warming Potential, GWP)


Ziel ist die Reduktion des Treibhauspotenzials. Das (relative) Treibhauspotential oder CO2-Äquivalent gibt an, wie viel eine festgelegte Menge eines Treibhausgases zum Treibhauseffekt beiträgt. Als Vergleichswert dient Kohlendioxid. Für die Zertifizierung werden
die Werte GWP100 – das heißt, der Beitrag eines Stoffes zum Treibhauseffekt innerhalb des Zeitraums von 100 Jahren – verwendet.

Kriterium 02 Ozonschichtabbaupotenzial
(Ozone Depletion Potential, ODP)


Ziel ist die Reduktion des Schadstoffausstoßes, der zur Zerstörung der Ozonschicht beiträgt. Ozon ist in der Lage, die kurzwellige UV-Strahlung zu absorbieren und diese richtungsunabhängig mit größerer Wellenlänge wieder abzugeben. Die Ozonschicht schirmt einen großen Teil der UV-Strahlung von der Erde ab, verhindert eine zu starke Erwärmung der Erdoberfläche und trägt dazu bei, uns vor UV-A und UV-B Strahlung zu schützen. Die Anreicherung von R11-Äquivalenten in der Atmosphäre trägt dazu bei, die Ozonschicht zu zerstören. Zu den Folgen gehören u.a. Tumorbildungen bei Mensch und Tier sowie Störungen der Photosynthese.

Kriterium 03 Ozonbildungspotenzial
(Photochemical Ozone Creation Potential, POCP)


Ziel ist die Reduktion des Ozonbildungspotenzials, dem massebezogenen Äquivalent schädlicher Spurengase, wie z.B. Stickoxide und Kohlenwasserstoffe. Diese tragen in Verbindung mit UV-Strahlung zur Bildung von bodennahem Ozon bei. Die human- und ökotoxische Verunreinigung der bodennahen Luftschicht wird als Sommersmog bezeichnet. Dieser greift die Atmungsorgane an und schädigt Pflanzen und Tiere.

Kriterium 04 Versauerungspotenzial
(Acid Potential, AP)


Ziel ist die Reduktion des Versauerungspotenzials. Unter Versauerung wird die Erhöhung der Konzentration von H-Ionen in Luft, Wasser und Boden verstanden. Schwefel- und Stickstoffverbindungen aus anthropogen verursachten Emissionen reagieren in der Luft zu Schwefel- bzw. Salpetersäure, die als „Saurer Regen“ zur Erde fallen und Boden, Gewässer, Lebewesen und Gebäude schädigen. In Summe der einzelnen Wirkungen trägt Versauerung zum Waldsterben und zum Fischsterben bei. Saure Niederschläge greifen historische Bauwerke (Sandstein) an. Ein Maß für diese Umweltwirkung ist das Versauerungspotenzial, welches in SO2-Äquivalenten angegeben wird.

Kriterium 05 Überdüngungspotenzial
(Eutrofication Potential, EP)


Ziel ist die Reduzierung der Überdüngung. Überdüngung bezeichnet den Übergang von Gewässern und Böden von einem nährstoffarmen in einen nährstoffreichen Zustand. Sie wird insbesondere verursacht durch die Zufuhr von Phosphor- und Stickstoffverbindungen. Diese können bei der Herstellung von Bauprodukten und durch Auswaschungen von Verbrennungsemissionen in die Umwelt gelangen. Die Änderung von verfügbaren Nährstoffen wirkt sich z.B. in Gewässern durch eine vermehrte Algenbildung aus, die unter anderem das Sterben von Fischen zur Folge haben kann.

Kriterium 06 Risiken für die lokale Umwelt


Ziel ist durch eine gezielte Auswahl von Produkten, die während der Nutzung des Bauwerks mit der Außenluft, dem Erdreich sowie dem Oberflächen- und/oder Grundwasser in Kontakt kommen, die Risiken für die lokale Umwelt  zu minimieren.

Kriterium 08 Nachhaltige Ressourcenverwendung


Die durch ein Gebäude verursachten Wirkungen auf die globale Umwelt sollen reduziert werden. Ein zentraler Aspekt ist der Nachweis der Verwendung von zertifiziertem Holz. Subtropische und boreale Hölzer dürfen nur dann verwendet werden, wenn vom Lieferanten des Holzes durch Vorlage eines Zertifikates „die geregelte, nachhaltige Bewirtschaftung des Herkunftsforstes nachgewiesen wird“.

Als Nachweis werden daher ausschließlich Zertifikate anerkannt, die von einer durch den Forest Stewardship Council (FSC) oder durch ein „Program for Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC) akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft nachprüfbar ausgestellt sind. Die durch den FSC aufgestellten Grundsätze einer nachhaltigen Forstwirtschaft sind Zertifizierungskriterien, bei denen internationaler Konsens besteht. Zur Nachprüfbarkeit müssen durch den Lieferanten sowohl das Herkunftsland als auch die Holzart zusätzlich deklariert
werden.

Kriterium 10 Nicht erneuerbarer Primärenergiebedarf (PEne)


Der Einsatz nicht erneuerbarer energetischer Ressourcen soll verringert werden. Mit der Ermittlung des nicht erneuerbaren Primärenergiebedarfs wird sowohl die Energieeffizienz von Nutzung und Konstruktion bewertet, als auch der Ressourcenbedarf zur Bereitstellung von Energie. Nicht bewertet wird der Energiebedarf der Nutzerausstattung. Primärenergie ist die in natürlich vorkommenden Energiequellen zur Verfügung stehende Energie. Zu den nicht erneuerbaren Energiequellen zählen Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas und Uran.


Kriterium 11 Gesamtprimärenergiebedarf und Anteil erneuerbarer Primärenergie (PEe)


Ziel ist es den Gesamtbedarf an Primärenergie im Lebenszyklus der Immobilie zu minimieren und der Anteil an erneuerbarer Energie zu maximieren.  Zur Primärenergie zählen nicht erneuerbare Energien wie Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas und Uran sowie erneuerbare Energien wie Biomasse, Sonnenstrahlung, Erdwärme, Wasser- und Windkraft. Neben dem Absolutwert des Gesamtprimärenergiebedarfs wird der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtprimärenergiebedarf bewertet.

Kriterium 14 Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen


Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen sollen reduziert werden. Hochwertiges Trinkwasser ist auch in Mitteleuropa eine sich verknappende Ressource. Trinkwasser muss schon heute über aufwändige Anlagen gewonnen werden. Erst nach der Filterung, in der das Wasser von natürlich vorkommendem Eisen und Mangan, von Pestiziden und Nitraten aus der Landwirtschaft und anderen Schadstoffen befreit wird, kann es als Trinkwasser verwendet werden.

Die Aufbereitung des Abwassers in zentralen Kläranlagen erfordert ebenfalls hohen finanziellen Aufwand, bedingt den Transport im Kanalsystem sowie die Reinigung. Je konzentrierter das Schmutzwasser ist, desto effektiver kann eine Reinigung stattfinden. Versickerung oder Verbrauch von Regenwasser sind der bloßen Ableitung in das Abwassersystem vorzuziehen.

Kriterium 15 Flächeninanspruchnahme


Die ständige Zunahme an Verkehrs- und Siedlungsfläche soll reduziert werden. Vorzugsweise sollen Flächen verwendet werden, die bereits der Verkehrs- und Siedlungsfläche zugeordnet waren bzw. die für das Bauvorhaben durch die Wiederherstellung belasteter Standorte zur Verfügung gestellt werden.