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Prozessqualität

Die Hauptkriteriengruppe Prozessqualität besteht aus 9 angewandten Kriterien. Diese Kriterien nehmen Bezug auf die Qualität in der Planung und in der Bauausführung, die durch eine umfassende Dokumentation gesichert wird. Zukünftig soll auch die Qualität der Bewirtschaftung mit in die Bewertung einfließen.  Eine Reihe von Kriterien befindet sich noch in Ausarbeitung. Die Kriterien haben Einfluss auf die ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Qualität des Gebäudes. Jedes Kriterium beinhaltet definierte Ziele,  klar vorgegebene Messmethoden und Nachweispflichten für die Dokumentation.

Kriterium 47 Qualität der Projektvorbereitung


Die Aufgaben, welche noch vor Leistungsphase 1 gemäß HOAI zu leisten sind, sollen das Projekt optimal vorbereiten. Zu berücksichtigen sind Bedarfsplanung, Zielfindungsdiskussion, Zielvereinbarung, Vorbereitung eines Architektenwettbewerbs und Einflussnahme auf den  nutzungsbedingten Energieaufwand. Insbesondere die Zielvereinbarung ist ein wesentlicher Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Projektvorbereitung.

Kriterium 48 Integrale Planung


Die Prinzipien einer integralen Planung sollen in der Praxis durchgesetzt werden. Die Verbesserung der Qualität der Planung sowie eine Optimierung des Planungsablaufs sind wesentliche Voraussetzungen für die Realisierung nachhaltiger Gebäude. Dazu bedarf es einer verbesserten Abstimmung zwischen allen Beteiligten. Integrale Planung umspannt den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes; sie beginnt mit der Projektentwicklung und endet mit dem Abbruch. Ein interdisziplinäres Planungsteam entwickelt zusammen mit dem Bauherrn ein ganzheitliches Konzept im Sinne einer nachhaltigkeitsorientierten Gesamtstrategie, um durch eine hochwertige Planung Energieverbrauch und Umweltbelastung zu reduzieren und gleichzeitig Komfort und Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Kriterium 49 Optimierung und Komplexität der Herangehensweise in der Planung


Die notwendige Komplexität der Herangehensweise an eine Planungsaufgabe soll durch eine Mindestanzahl und Mindestqualität zu erstellender Konzepte gesichert werden. Gleichzeitig sollen die Durchführung von Variantenvergleichen angeregt werden.  Dies geschieht unter verstärkter Einbeziehung ökonomischer und ökologischer Aspekte sowie einer externen Qualitätssicherung in der Planung. Mit ihrer Ausarbeitung als ausformuliertes Konzept werden Qualität und Nachvollziehbarkeit gestärkt.

Kriterium 50 Nachweis der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe


In der Phase der Ausschreibung und Vergabe werden die Grundlagen für eine qualitativ hochwertige Bauausführung geschaffen. Dabei sollen möglichst konkrete, handhabbare und nachprüfbare Anforderungen an Produkte und Technologien für die Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen formuliert werden. Es soll ein Beitrag zur Funktionalität und Qualität des Bauwerkes bei gleichzeitiger Minimierung von Risiken und Belastungen für Umwelt und Gesundheit geleistet werden.

Kriterium 51 Schaffung von Voraussetzungen für eine optimale Nutzung und Bewirtschaftung


1.Die Erstellung eines Gebäudepasses bzw. einer Objektdokumentation soll mehr Markttransparenz herstellen und eine einheitliche Informationsbasis liefern. Eine lebenszyklusbegleitende Objektdokumentation unterstützt die Prozesse des Controllings und der kontinuierlichen Verbesserung in der Nutzungsphase.
2.Eine vollständige Erstellung und Dokumentation der gebäudebezogenen Wartungs-, Inspektions-, Betriebs- und Pflegeanleitungen kann einen wichtigen Beitrag zum effizienten Betrieb des Gebäudes leisten und somit zu einer Reduzierung der Lebenszykluskosten führen. Sie soll sicherstellen, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, um eine hohe funktionale Qualität und eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
3. Detaillierte Planungsunterlagen und Berechnungen des Gebäudes, die dem tatsächlich realisierten Stand entsprechen, bilden eine wichtige Grundlage für die Bewirtschaftung sowie für die spätere Instandhaltungs-, Modernisierungs- oder Renovierungsarbeiten und sind von entscheidender Bedeutung, um den reibungslosen Betrieb eines Gebäudes nachhaltig zu sichern.
4.Die Erstellung eines Nutzerhandbuches stellt verschiedenen Nutzergruppen spezifische, für ihre Arbeits-, Nutzungs- bzw. Verantwortungsbereiche relevante Gebäudeinformationen zur Verfügung. Zweck eines Nutzerhandbuches ist u.a. die Erläuterung der technischen Zusammenhänge der Haustechnik sowie der Besonderheiten einzelner Bauteile und Komponenten.

Kriterium 52 Baustelle/Bauprozess


Die Auswirkungen auf die Umwelt sind zu minimieren und gleichzeitig die Gesundheit aller Beteiligten zu schützen. Die Bewertung er Baustelle / des Bauprozesses umfasst folgende Kriterien:

1. Abfallarme Baustelle: Wenn Gebäude errichtet, umgebaut oder abgebrochen werden, fallen Bauschutt, Bodenaushub, Materialreste, Verpackungen, Altholz usw. an. Diese Abfälle sollen vermieden bzw. verwertet werden. Nicht vermeidbare und nicht verwertbare Abfälle sind umweltverträglich zu beseitigen.

2. Lärmarme Baustelle: Permanente Lärmeinwirkung kann zur Überreizung des Nervensystems und damit zu Gesundheitsschäden führen. In dicht bebauten Gebieten ist Baulärm nach dem Verkehrslärm die bedeutendste Lärmquelle.

3. Staubarme Baustelle: Staub entsteht in der Regel bei der Be- und Verarbeitung von Baustoffen durch eine Vielzahl unterschiedlicher Tätigkeiten. Mit der Vermeidung von Staub wird ein wichtiger
Beitrag zum Schutz von Personen erreicht. Außerdem soll die Umwelt vor stoffbedingten Schädigungen geschützt werden.

4. Umweltschutz auf der Baustelle: Boden und Grundwasser sind vor schädlichen Stoffeinträgen und sonstigen unzulässigen Wirkungen während der Bauphase zu schützen. Chemische Einwirkungen können durch Produkte und Arbeitsvorgänge entstehen, durch die gasförmige, flüssige und feste Stoffe in den Boden gelangen.

Kriterium 53 Qualität der ausführenden Unternehmen/Präqualifikation


Sachkunde und Qualität der ausführenden Firmen sollen beschrieben und gewürdigt werden. Ein geeignetes Instrument zum Nachweis dieser Eigenschaften ist die Präqualifikation ausführenderUnternehmen. In der Praxis kommen zusätzlich unternehmensinterne Qualitätskontrollen und -bewertungen zum Einsatz. Mit der Eintragung in die Präqualifizierungsliste dokumentieren Bauunternehmen ihre Zuverlässigkeit, Fachkunde und Leistungsfähigkeit sowohl gegenüber öffentlichen als auch privaten Auftraggebern und anderen Unternehmen mit einer Art Gütesiegel.

Kriterium 54 Qualitätssicherung der Bauausführung


Die in den Prozessen der Bauausführung erreichte Qualität soll beschrieben, geprüft und nachgewiesen werden - einerseits um Mängel und Risiken auszuschließen, andererseits um die erreichte Qualität gegenüber Dritten signalisieren zu können. Folgende Teilaspekte
werden behandelt:

1. Ziel der Dokumentation der verwendeten/eingebauten Materialien, Hilfsstoffe und der systematischen Sammlung und Zusammenstellung der Sicherheitsdatenblätter ist es, im Sinne eines Gebäudehandbuches eine Bestandsdokumentation wichtiger Gebäudedaten zu schaffen. Eine genaue Dokumentation trägt dazu bei, kommende Prozesse im Lebenszyklus zu vereinfachen.

2. Durchgeführte Mess- und Analyseverfahren (u.a. Messungen zur Feststellung der Luftdichtheit der Gebäudehülle sowie der schallschutztechnischen Qualität des Gebäudes) sollen das Erreichen angestrebter Qualitäten bzw. Zielwerte kontrollieren und dokumentieren.

Kriterium 55 Systematische Inbetriebnahme

Eine systematische Inbetriebnahme trägt entscheidend zu einer langfristig und effizient funktionierenden Haustechnik bei. Es werden die einzelnen Komponenten der haustechnischen Anlage nach der Abnahme aufeinander abgestimmt und einreguliert. Im Anschluss kann die Anlage im Rahmen einer Betriebsoptimierung nach einer ersten Laufzeit von 10 - 14 Monaten noch einmal
nachjustiert werden. Die systematische Inbetriebnahme bedarf eines Konzepts zur Einregulierung und Nachjustierung. Da es sich hierbei nicht um eine Standardleistung handelt, muss sie vertraglich festgehalten werden. Sie ist von einem Fachbetrieb auszuführen und zu dokumentieren. Die Dokumentation muss neben dem Nachweis der Einregulierung wesentliche Voreinstellungen der Anlage enthalten, um ggf. eine eventuell unsachgemäße Änderung, z.B. durch den Nutzer, rückgängig zu machen.