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Soziokulturelle Qualität

Die Hauptkriteriengruppe Soziokulturelle Qualität besteht aus 18 Kriterien. Diese Kriterien nehmen Bezug auf den Nutzerkomfort und untersuchen die funktionalen und gestalterischen Gebäudeeigenschaften. Jedes Kriterium beinhaltet definierte Ziele, klar vorgegebene Messmethoden und Nachweispflichten für die Dokumentation.

Kriterium 19 Thermischer Komfort im Winter


Die Akzeptanz des Raumklimas im Winter ist wesentlich durch die Lufttemperatur, die Luftgeschwindigkeit und die Strahlungstemperatur der den Menschen umgebenden Oberflächen gegeben. Zudem beeinflusst die relative Luftfeuchtigkeit das Temperaturempfinden.
Der thermische Komfort einer Person steht in starkem Zusammenhang mit der Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Er wird einerseits durch die Gesamtbehaglichkeit bestimmt, andererseits können lokale Unbehaglichkeitsphänomene den thermischen Komfort beeinträchtigen. So kann sich eine Person insgesamt thermisch behaglich fühlen, sich jedoch beispielsweise durch lokale Zugluft an einem Körperteil beeinträchtigt fühlen.

Kriterium 20 Thermischer Komfort im Sommer


Thermischer Komfort im Sommer wird durch die gleichen Indikatoren wie im Winterfall bestimmt. Um eine Überhitzung zu vermeiden sind sowohl bauliche Maßnahmen wie auch raumlufttechnische Anlagen denkbar. Nach DIN 4108-2 werden Mindestanforderungen an bauliche Maßnahmen gestellt. Alle Maßnahmen zur Lüftung müssen sicherstellen, dass keine lokalen Beeinträchtigungen der thermischen Behaglichkeit auftreten.

Kriterium 21 Innenraumhygiene


Ziel ist die Sicherstellung der Innenraumhygiene und das Vermeiden negativer Einflüsse auf das Befinden der Raumnutzer.

Kriterium 22 Akustischer Komfort


Ein niedriger Stör- und Fremdgeräuschpegel sowie Sprachverständlichkeit in Räumen werden angestrebt, um die Nutzung, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Nutzer nicht zu beeinträchtigen. Je niedriger Störschallpegel- und Nachhallzeitwerte ausfallen, desto geringer ist die Beeinträchtigung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Hohe Sprachverständlichkeit in Kommunikationsräumen und hohe Schallausbreitungsdämpfung bei gegenseitigem Störungspotenzial sind vorteilhaft.

Kriterium 23 Visueller Komfort


Visueller Komfort soll durch ausgewogene Beleuchtung ohne nennenswerte Störungen wie Direkt- oder Reflexblendung, ein ausreichendes Beleuchtungsniveau sowie durch die individuelle Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse erreicht werden. Von hoher Bedeutung für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist der Ausblick, der über Tageszeit, Ort, Wetterbedingungen etc. informiert. Weitere Kriterien sind Blendfreiheit, Lichtverteilung und Lichtfarbe im Raum. Die Anforderungen gelten für Tageslicht- und Kunstlichtbeleuchtung.

Kriterium 25 Einflussnahme des Nutzers


Ziel ist die Maximierung der Einflussnahmemöglichkeit des Nutzers auf die Bereiche Lüftung, Sonnenschutz, Blendschutz, Temperatur sowie die Steuerung von Tages- und Kunstlicht an seinem Arbeitsplatz.

Kriterium 26 Dachgestaltung


Die bewusste Gestaltung der Dachfläche dient der Gesamtgestaltung des Bauwerks und seiner Einbindung in das urbane Umfeld. Die Nutzbarmachung dieser Fläche kann zur Reduktion des CO2-Ausstoßes und zur Verbesserung des Mikroklimas beigetragen. Neben der gestalterischen Einbindung der technischen Aufbauten kann das Dach mit entsprechenden Flächen das Allgemeinwohl fördern. Solche Flächen sind Gründächer, solaraktive Flächen, soziokulturelle Nutzungen wie z.B. Dachterrassen, historische Bezüge zum direkten Umfeld wie z.B. Material- und Farbwahl der Dachdeckung in historischen Stadtkernen.

Kriterium 27 Sicherheit und Störfallrisiken


Gefahren, Unfälle und Katastrophen sollen vermieden, weitgehende Sicherheit soll beim Eintritt von Unfällen und Katastrophen gewährleistet werden. Unsicherheiten und Angstgefühle können
die Bewegungsfreiheit von Menschen einschränken. Das subjektive Empfinden von Sicherheit trägt grundlegend zur Behaglichkeit von Menschen bei.

Kriterium 29 Barrierefreiheit


Gebäude sollen barrierefrei gebaut werden. Barrierefreiheit erhöht den Wert und die Attraktivität für alle Bevölkerungsgruppen und betrifft vor allem Menschen mit motorischen oder sensorischen Einschränkungen. Durch den demografischen Wandel wird ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung zukünftig steigen. Dem muss eine zukunftsweisende und nachhaltige Entwicklung gerecht werden.

Kriterium 30 Flächeneffizienz


Der Umgang mit Flächen soll möglichst wirtschaftlich sein. Die Flächeneffizienz ist eine Maßzahl für die Ausnutzung von Flächen innerhalb von Gebäuden. Aus einem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds geht hervor, dass 2/3 der Immobilienentwickler den Faktor Flächeneffizienz als übergeordnete Planungsprämisse erachten. Im Hinblick auf die Steigerung der Flächeneffizienz lässt sich folgendes Optimierungsziel ableiten: Kostenbezogene Optimierung Senkung der Bau- und Betriebskosten, schlecht nutzbare Flächen werden vermieden.

Kriterium 31 Umnutzungsfähigkeit


Je besser und mit je geringerem Aufwand ein Gebäude umzugestalten ist, umso besser ist seine Eigenschaft „Umnutzungsfähigkeit“ zu beurteilen. Ein globalisierter, internationaler Markt verlangt hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dies spiegelt sich auch in der Nutzung von Gebäuden wieder. Ein nachhaltig konzipiertes Gebäude lässt sich leicht an wandelnde Anforderungen anpassen.
Dabei können sich Änderungen in der Nutzung sowohl durch einen Mieter-/ Nutzerwechsel, wie auch durch vom Nutzer durchgeführte Umstrukturierungen ergeben. Eine hohe Umnutzungsfähigkeit von Gebäuden ist unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gegeben, wenn der Wandel mit einem geringen Ressourcenverbrauch realisiert werden kann.

Kriterium 32 Zugänglichkeit


Die Akzeptanz und Integration von Gebäuden innerhalb des Stadtquartiers, der Stadt und der Region soll durch eine Steigerung der Zugänglichkeit gefördert werden. Öffentliche Zugänglichkeit fördert die Kommunikation und die Gemeinschaft. Ein vielfältiges Nutzungsangebot erzeugt eine Belebung des öffentlichen Raumes und erhöht das Sicherheitsempfinden der Nutzer. Gleichzeitig trägt sie zur ökonomischen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

Kriterium 33 Fahrradkomfort


Der Anteil an Fahrradfahrern soll gesteigert werden. Da ein Großteil der Autofahrten weniger als 5 km beträgt, kann der Umstieg auf das Radfahren maßgeblich zur Ausbildung einer umweltgerechten und energieeffizienten Mobilität beitragen. Ein Mangel an gebäudebezogener Fahrradinfrastruktur wird in der Praxis oft durch ‚wildes’ Parken im öffentlichen Bereich ausgeglichen. Zu geringer Fahrradkomfort führt oft zum Versagen der Fahrradinfrastruktur und kann nicht ausgeglichen werden.

Kriterium 35 Sicherung der gestalterischen und städtebaulichen Qualität im Wettbewerb


Planungswettbewerbe sollen durchgeführt werden, um die beste Lösung für architektonische und baulich-konstruktive Aufgaben zu erreichen. Damit wird die baukulturelle Vielfalt in Deutschland gesichert. Eine fachkundige Jury kann die architektonisch-gestalterische Lösung und die Einbindung in städtebauliche Gegebenheiten am besten beurteilen. Planungswettbewerbe werden in Deutschland nach einheitlichen Regeln durchgeführt. Sie erlauben es, den Auftraggebern in einem klar strukturierten, transparenten Verfahren den geeigneten Auftragnehmer zu finden. Wettbewerbe fordern die schöpferischen Kräfte heraus, fördern innovative Lösungen und sind effiziente Verfahren zur Optimierung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Durch die Auslobung von Planungswettbewerben können alternative Lösungen entwickelt werden, die den Anforderungen an Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Funktionalität, Energieeinsparung und Umweltschutz in gleicher Weise gerecht werden.

Kriterium 36 Kunst am Bau


Kunst am Bau soll gefördert werden. Sie ist ein Element der Baukultur, das deren Qualität und Ausdruckskraft mitprägt und ist daher ein integraler Bestandteil der Bauaufgabe und Bauherrenverantwortung. Kunst am Bau ist eine künstlerische Aufgabe, die einen direkten Bezug zwischen Öffentlichkeit und Gebäude herstellt. Sie hat einen speziellen Orts- und Objektbezug und soll dazu beitragen, Akzeptanz und Identifikation der Nutzer mit ihrem Bauwerk zu stärken, Aufmerksamkeit herzustellen und Standorten ein zusätzliches Profil zu verleihen.
Soziokulturelle unf funktionale Kriterien